– Aktueller Stand auf der Basis eigener Erfahrungen, die in unseren Veröffentlichungen seit Mitte 2010 niedergelegt sind –

Basis

(25(OH) D – Serum-Konzentrationen bei unseren Patienten:

< 30 ng/ml in 93% unserer Patienten mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse bzw. nach Pankreasoperationen
< 20 ng/ml in 78 %
< 10 ng/ml in 32 %
< 4 ng/ml in 9.3 %

Angaben zur Einschätzung der Vitamin D -Konzentrationen im Serum:

<20 ng/ml erniedrigt
20-30 ng/ml eine Art von Graubereich, auch relativer Vitamin D Mangel oder Vitamin D-Insuffizienz genannt
>30 ng/ml sicher normal

Es ist zu beachten, daß das 25(OH) Vitamin D im Serum nach verschiedenen Methoden bestimmt werden kann, die im Ergebnis auch voneinander abweichen können. Evtl. sollte daher nach der Nachweis-Methode im jeweiligen Labor nachgefragt werden.

Möglichkeiten der Anhebung erniedrigter Vitamin D-Werte in den „Normalbereich“:

 – durch intramuskuläre Injektion sog. ADEK – Kombinationspräparate:
nach eigenen Ergebnisse oft nicht möglich, daher sehr unzuverlässig (evtl. zu niedrige Vitamin D-Dosis in diesen Präparaten)

– durch perorale Einnahme von Vitamin D-Präparaten:
im Gegensatz zur bisherigen Annahme nach unseren Untersuchungen bei individueller, an den Serum-Vit. D-Kontrollen ausgerichteter Dosierung so gut wie immer möglich, bei gleichzeitiger Behandlung der exkr. Pankreasinsuffizienz mit sog. Pankreasenzym­prä­paraten und Beratung/Betreuung durch eine(n) Ernährungsberaterin(er).
Dies gilt für Pat. mit chronischer Pankreatitis, Pankreaskarzinom, nach Pankreasopera­tionen bis zur totalen Pankreatektomie, auch nach Magenresektionen und Gastrektomie.

(Nur bei einem Patienten mußten wir in den letzten Jahren vorübergehend wegen vermeintlicher gastrointestinaler Unverträglichkeit oralen Vitamin D`s auf intramuskuläre Injektionen höherer Vitamin D-Dosierungen zurückgreifen (D3-Vicotrat (R) Amp., 100 000 IE))

Im Gegensatz zum Vitamin D sind bei Pankreaspatienten die Serumkonzentrationen der anderen fettlöslichen Vitamine A, E und K nur in Ausnahmefällen erniedrigt. Eine routinemäßige Kontrolle bzw. Supplementierung scheint damit nicht erforderlich.

Empfehlungen

Indikation für eine 25(OH) Vit. D – Bestimmung im Serum:

– Bei allen Patienten mit Erkrankungen/Operationen des Pankreas halten wir eine 25(OH) Vit. D-Bestimmung im Serum für indiziert.

Da sich ein Vit.D-Mangel aber auch erst Monate/Jahre nach der Diagnostik/Operation (z.B. je nach Halbwertszeit, Entleerung der Speicher usw.) zeigen kann, sollte die Bestimmung bei anfänglichem Normalbefund evtl. jährlich wiederholt werden. Zusätzlich ist zu bedenken, daß die 25(OH) Vit. D-Spiegel im Blut im Winter meist niedriger liegen als im Sommer ( Differenz ca. 10-15 ng/ml, z.B. durch geringere Sonneneinwirkung im Winter).

– Vor Beginn einer Vit. D-Therapie – evtl. auch im Verlauf einer Therapie –  solltenzusätzliche Bestimmungen im Blut durchgeführt werden (z.B. Kreatinin, Calcium und alkalische Phosphatase, evtl. auch Parathormon und die Calcium-Ausscheidung im Urin).

Vitamin D-Supplementation/ Therapie:

– Vor Beginn einer Vit. D – Therapie sollten evtl. Nebenwirkungen/Kontraindikationeneiner Vit. D – Gabe beachtet/ausgeschlossen werden (s. z.B. Fachinformationen, Arztgespräch).

– Bei gegebener Indikation empfehlen wir eine perorale Therapie eines Vit. D-Mangels.

– Das Vitamin D Präparat sollte während einer Mahlzeit eingenommen werden.

– Zumindest bei 25(OH) Vit.D-Werten im Serum < 20ng/ml sollte bei Pat. mit Erkrankun­gen/Operationen des Pankreas eine perorale Behandlung mit Vit. D-Präparaten beginnen.

– In Abhängigkeit von dem Ausmaß des Vit. D-Mangels und der Zeit, in der der Mangel ausgeglichen sein soll, kann die Einleitung der Therapie mit unterschiedlicher Dosierung beginnen:

Z.B. am 1. Tag 100 000 IE oder die erste Woche jeweils 20 000 IE tgl , gefolgt von 1 x, 2 x oder 3 x 20 000 IE pro Woche. Bei Ausgangswerten < 10 ng/ml haben wir auch mit 100 000 IE am Tag 1 gefolgt von 20 000 IE tgl für die nachfolgende Woche begonnen, um dann mit 1 x, 2 x oder 3 x 20 000 IE / Woche fortzufahren. Wird die Indikation für eine Vitamin D-Supplementation bereits bei Ausgangswerten zwischen 20 – 30 ng/ml gesehen, kann auch mit z.B. 1000 IE tgl. oder 2000 IE tgl. begonnen werden. (von uns bisher eingesetzt: Vigantoletten (R) (1000 IE), Dekristol (R) (20 000 IE), Vigantol-Oel (R)).

– Eine Kontrolle der 25(OH) Vit. D-Serumspiegel sollte nach 4-6 Wochen erfolgen. Zielbereich sind für uns Serum-Werte zwischen 30 – 60 ng/ml, um über das ganze Jahr auf der sicheren Seite zu sein.

– Über weitere Serumkontrollen, z.B. im Abstand von 3 Monaten, passen wir dann die Dosierung evtl weiter an, um sobald möglich auf eine Erhaltungsdosis überzugehen.
(selten 1000 IE tgl., meist 1-2 x 20 000IE /Woche, evtl. auch 1 x 20 000IE alle 2 -4 Wochen. In Einzelfällen war auch eine Dosierung von 20 000IE tgl. erforderlich, um 25(OH) Vit. D- Serumspiegel > 30 ng/ml zu erreichen).

– Nebenwirkungen haben wir bisher mit diesen Dosierungen bei unseren Patienten nicht gesehen, sie sind nach der aktuellen Literatur auch nicht zu erwarten.

– Grundsätzlich muß geraten werden, eine Vit. D-Therapie unter ärztlicher Begleitung/ Kontrolle durchzuführen (Beachtung von evtl. Nebenwirkungen/Kontraindikationen, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Kontrollen der 25(OH) Vit. D-Serumkonzentrationen usw.)
Zubereitungen mit hohen Dosen (z.B. Dekristol 20 000, Vigantol-Öl) sind darüber hinaus verschreibungspflichtig, im Gegensatz zu Zubereitungen mit 1000 IE oder darunter.

– Für Pat. mit einer Erdnuß- oder Soja-Allergie kann Vigantol-Öl (R) als „Ausweich­präparat“ empfohlen werden (1ml = ca 40 Tropfen = 20 000 IE, Hersteller-Angabe).

– Pat., bei denen unter einer Therapie mit ADEK-Kombinations­präparaten die Vit. D-Serum­konzentrationen im Normbereich liegen, können diese Behandlung natürlich fortsetzen. Bei jahrelanger Applikation sind aber auch mal Kompli­kationen möglich, wie Muskelverhärtungen, Spritzenabszesse oder auch mal Blutungen. Evtl. sollte durch einen Auslaßversuch die Indikationsstellung überprüft werden.

S. und R. Klapdor April/Mai 2012

 

Anhang: Umrechnungen: 25(OH) Vitamin D: 1/ug/l = 1ng/ml = 2.5 nmol/l ……….. 1 IE = 0.025 /ug
Faustformel zur Errechnung des Vitamin D-Bedarfs/Tag, um einen bestimmten 25(OH) Vit. D-Serum­spiegel zu erreichen (über Monate): (Zielspiegel nmol/l – Startspiegel nmol/l) x KG in kg/70kg x 40IE /Tag = IE/Tag. Faustformel zur Errechnung des ungefähren Blutspiegels, der durch langfristige Einnahme einer bestimmten Dosis Vit. D erreicht wird: (tgl. Dosis IE/40IE x KG in kg/70kg) nmol/l + Startspiegel nmol/l = nmol/l ( bisher keine eigenen Erfahrungen)

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